| "Pygmalion" im Ferrutius-Saal - eine Freude
110 Theaterfreunde verfolgen Aufführung der Taunusbühne / Fesselnde Darstellung der Laienschauspieler
Wiesbadener Kurier - Vom 10.11.2008
Von Kerstin Prosch
TAUNUSSTEIN "Kennst du deine eigene Tochter nicht?", fragt Eliza (Verena Scholz-Roskos). Ihr Vater, der Müllkutscher Alfred Doolittle (Michael Klatte), mustert die junge Frau. "Dass die sauber so gut aussieht", meint er überrascht. Die Zuschauer in St. Ferrutius schmunzeln. 110 Theaterfreunde sind gekommen, um die Taunusbühne Bad Schwalbach mit dem Stück "Pygmalion" zu sehen, das die Vorlage für das bekannte Musical "My fair lady" bildete.
"Wir haben Pygmalion bereits 2006 als Freilichttheater auf Burg Hohenstein gezeigt", erzählt Regisseur Andreas Roskos, zugleich zweiter Vorsitzender der Taunusbühne. Die geht gerne auf Tournee, was mit einer Open-Air-Veranstaltung jedoch ein Problem darstellt. Deshalb fiel die Entscheidung, Pygmalion ein zweites Mal als Bühnenstück einzustudieren. Für die Laien-Schauspieler sei das durchaus eine Umstellung gewesen. "Auf der Burg war die Bühne zum Beispiel 15 Meter breit, ein Saal hat so um die acht Meter", erklärt Roskos. Doch nicht nur die Bewegungsfreiheit ist plötzlich eingeschränkt. Die Aktiven der Taunusbühne müssen nun auch viel mehr auf Gestik und Mimik achten. Denn im Saal stehen die ersten Stühle prinzipiell näher an der Bühne als dies bei den Aufführungen auf der Burg üblich war. So wurde explizit am Ausdruck der Schauspieler gearbeitet.
Premiere hat man mit der Saalfassung in Dickschied gefeiert. Die zweite Aufführung war nun am Wochenende in Taunusstein. Dabei überzeugten die Akteure durchaus bei der Mimik. Eine Freude war es unter anderem, Professor Higgins (Hubert Prause) in jenen Szenen zu beobachten, in denen er nicht fassen konnte, was seine Schülerin Eliza treibt. Pygmalion von Bernard Shaw ist nach Ansicht der Taunusbühne-Verantwortlichen bis heute aktuell. Da geht es um soziale Herkunft, um das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer und natürlich um das bekannte Thema Frau und Mann.
Dass man damit ein Publikum fesseln kann, wurde in St. Ferrutius mehr als deutlich. Wilhelm Kriechel aus Taunusstein, einer der vielen Zuschauer, zeigt sich von der Vorstellung angetan. "Das ist gut gemacht", lobt er. Besonders schätze er, Kultur aus der Region zu sehen. Für die Zukunft wünscht sich Kriechel noch öfter Theaterveranstaltungen dieser Art.
Wann und wo die Taunusbühne die Saalfassung erneut zeigt, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall soll es aber einen weiteren Auftritt geben. Alle Termine der Laienschauspieler findet man im Internet unter www.taunusbuehne.de. |